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Lüneburg - 22.06.2009

So finden Sie die richtige Matratze

So finden Sie die richtige MatratzeZu viel verprechende Werbetexte und irreführende Preisgestaltungen machen die Matratzenwahl bei über 600 verschiedenen Ausführungen nicht gerade leicht. Wir sagen Ihnen worauf Sie wirklich achten sollten.
Eines vorweg: eine beste Matratze gibt es leider nicht - denn zu unterschiedlich sind die Anforderungen des jeweiligen Schläfers. Frank Chudoba - seit fast 23 Jahren als Fachberater tätig - gibt Ihnen Tipps für den nächsten Matratzenkauf.

Wann wird es Zeit für eine neue Matratze?

Jedes Material verschleißt nach einiger Zeit. Machen sich Liegekuhlen bemerkbar und rollen sie nachts in eine Kuhle besteht handlungsbedarf. Auch das Aufwachen mit Rückenschmerzen oder ein gestiegender Anspruch nach mehr Liegekomfort kann den Wunsch nach einer Matratze auslösen. Doch spätestens nach 10 bis 12 Jahren sollte aus hygienischen Gründen die Matratze getauscht werden. Schließlich gelangen über 350 Liter Körperflüssigkeiten innerhalb von 10 jahren in die Matratze, die auch mit waschbaren Bezügen nicht ganz entfernt werden.

Warum ist Matratzenkauf so schwierig?

Es gibt im Bereich der Bettenaussattung keine einheitlichen Normen, was z.B. auch die Festigkeit betrifft und keine Klassifizierung von Qualitäten, wie es bei HiFi-Geräten und PCs üblich ist.
Im Handel befinden sich umfangreiche Sortimente, dessen Vorzüge nicht wirklich erkennbar sind. Hinzu kommen verwirrende und intransparente Produktaussagen, welche eine hohe Erwartungshaltung schüren, durch Werbeaussagen wie Bandscheibenmatratze, Orthopädische Matratze, Rückenfit-Matratze. Die undurchsichtige Preisgestaltung mit angeblichen Preisreduzierungen bis zu 80% erlaubt nicht wirklich die Qualitäten zu beurteilen. Dazu verändern sich unsere Lebensgwohnheiten. Mangelnde Bewegung und Rückbildung der Muskulatur führen zu erhöhten Anforderung an das Schlafsystem. Die Anforderungen des Menschen sind aufgrund der Größe, Gewicht, Körperbau, Druckempfinden sehr individuell. Zudem spielen gesundheitliche Aspekte (Rückenbeschwerden, Gelenkserkrankungen, Herz-Kreislauf- und Magenbeschwerden) eine Rolle. Dazu kann eine unzureichende Qualifikation der Verkaufspersonals kommen, die nicht durch den Matratzendschungel führen können. Sie kennen die Anforderungen des Kunden nicht, wissen mit gesundheitlichen Aspekten nicht umzugehen und kennen nicht einmal die Wirkung der verwendeten Materialien.
Außerdem beschäftigen wir uns vielleicht alle 1o Jahre mit dem Thema Matratzen. Insgesamt gibt es zu wenig Orientierungshilfen.

Wie sollte man beim Matratzenverkauf vorgehen?

Am besten ist das Ausschlussverfahren geeignet. Sind gesundheitliche Aspekte zu berücksichtigen oder eine ausgeprägte Statur oder hohes Gewicht, sind die Anforderungen an die Matratze und selbst an den Fachberater höher. Mit jeder Anforderung fallen bestimmte Matratzenmodelle aus dem Raster. Mit diesen Matratzentypen muss man sich dann nicht mehr länger beschäftigen. Folgende Faktoren sind bei der Wahl der Matratze wichtig:
  • Bevorzugte Schlaflage
  • Körpergröße und Körpergewicht
  • Körperbau (Ausprägung Schulter, Becken, Taille, Verlauf Wirbelsäule)
  • Druckempfinden (auch entzündliche Erkrankungen, welche Einfluss auf die Druckentlastung haben)
  • Wärmebedarf, Schwitzverhalten und(Atmungsaktivität)
  • Allergien, Materialverträglichkeit, um dieses bei der Wahl des Matratzenkerns, Polstermaterialien und Zudecke zu berücksichtigen
  • Rückenerkrankungen (z.B. Skoliose)
  • notwednige Lagerung (z.B. Magenreflux und venösen erkrankungen)
  • Haltbarkeit des Materials und Unterfederung bei hohem Körpergewicht
  • Budget: sind wirkliche finanzielle Grenzen gesetzt oder hat der Kunde Preisgrenze willkürrlich gesetzt.
    Die Bettenausstattung ist das meist genutzte Möbelstück, welches umgerechnet fast so viel kostet, wie der morgendliche Brotaufstrich.
Woran erkennt man einen guten Fachberater?

Ein guter Fachberater berücksichtigt die vorgenannten Punkte hinsichtlich bevorzugter Schlaflage, Körpergröße und Statur und Wärmebedarf und weiss mit Allergien, Rückenerkrankungen und liegebeeinflussenden Krankheiten umzugehen. Ein guter Fachberater beobachtet Ihre Liegeposition und tastet Ihre Wirbelsäule bei der Liegeprobe ab.

Federkern, Schaummatratzen, Latex? Welcher Matratzentyp ist der beste?

Jedes Material hat seine besonderen Vorzüge und eventuell auch Nachteile. Da die Verarbeitung und Aufpolsterung einen großen Einfluss auf den Komfort und Stützverhalten hat, kann eine pauschale Gesamtaussage über die Güte nicht erfolgen. Folgende Merkmale sind typisch für die jeweiligen Kerne:

Federkern:
  • preisgünstig herzustellen
  • Recht feste Liegeeigenschaften aufgrund der mangelnden Punktelastizität
  • Fehlende Schulterentlastung
  • Nicht für verstellbare Lattenroste geeignet
  • Gute atmungsaktivität, sofern die verwendeten Polstermaterialien diese nicht mindern
  • Vorsicht bei Schlafproblemen und chronischen Krankheiten wegen der, durch Stahlfedern verursachten elektromagnetischen Gleichfelder.
Taschenfederkern
  • Stahlfedern werden in einzelnen Taschen eingenäht oder geklebt, um sich Körperpartien besser anpassen zu können
  • Je nach Drahtstärke softe bis feste Liegeeigenschaften
  • Besondere Anforderungen bei der Wahl des Lattenrostes
  • Gute atmungsaktivität, sofern Polstermaterialien diese nicht mindern
  • Vorsicht bei Schlafproblemen und chronischen Krankheiten wegen der, durch Stahlfedern verursachten elektromagnetischen Gleichfelder.
Latex
  • Aus natürlichem Kautschuk oder synthetischen Latex in einer fertigen Form im Ofen gebacken
  • Hohe Punktelastizität
  • Gute Stützeigenschaften
  • Lebensdauer bei Talalay-Latex besonders gut
  • Eingeschränkte Atmungsaktivität aufgrund der Zellstruktur des Latexkerns, daher für schwitzende Schläfer eingeschränkt zu empfehlen
Kaltschaum:
  • Blockschaumverfahren: Rohmaterial wird in großen Schaumblöcken hergestellt und in Größe und Aufbau zurechtgeschnitten und ggf. mit unterschiedlich festen Schaumelementen kombiniert.
  • Formschaumverfahren: die Rohmasse wird in eine in der jeweiligen Matratzengröße angepassten Form gegossen und darin fertig geschäumt.
  • Die Festigkeit hängt vom Raumgewicht, der Stauchhärte, Zuschnitt, Polstermaterialien und Flexibilität des Bezuges ab
  • Die Atmungsaktivität ist gut bis mäßig
  • Enger Leistenabstand beim Lattenrost erforderlich. Ideal für flexible und motorisierte Lattenroste und Tellerrahmen geeignet.
Viskoelastischer Schaum:
  • Schaumkern, welcher auf körpergewicht und Wärme reagiert
  • Daher auch eingeschränktes Stützverhalten, welches sich inbesondere im Beckenbereich negativ auswirken könnte. Bei Problemen im Lendenwirbelbereich ist eine feste Stützung empfohlen.
  • Schränkt aufgrund des trägen Verhaltens die Bewegungsmöglichkeiten auf der Matratze ein. Für ältere Personen und bei Ostheoporose nicht geeignet.
  • Geringe Atmungsaktivität: für schwitzende Schläfer nicht empfohlen
Wasserbett (Stärken und Schwächen):
  • Wasser, welches in wasserdichten Behältern gefüllt und durch Vlieseinlagen im Schaukelverhalten bestimmt wird.
  • Sehr hohe Druckentlastung
  • Mangelndes Stützverhalten: Vorsicht bei Verkrümmungen der Wirbelsäule und Bandscheibenvorfällen
  • Wärmezufuhr durch Heizungselemente kann für eine gute Entspannung der Muskulatur sorgen
  • Kosten für Heizung und Wartung (Wasseraufbereiter, Einstellung Wasserdruck, Pflegemittel) sollten einkalkuliert werden.
  • Die Haltbarkeit wird von der Qualität der Materialien und der regelmäßigen Pflege bestimmt.
  • Trotz fehlender Atmungsaktivität der Kernmaterialien - durch die Heizmatten als angenehm trocken empfundenes Schlafklima.
Einen stark zunehmenden Anteil hat die Kaltschaummatratze. Diese allgemeine Bezeichnung sagt lediglich aus, dass der Kern dieser Matratze ohne Zufuhr von Wärme, wie es bei Latexmatratzen üblich ist, geschäumt wird.
  • 1. Ein Kaltschaum im Preiseinstieg ist wegen des geringen Materialeinsatzes recht fest.
  • 2. hochwertiger Kaltschaum zeichnet sich durch ein hohes Raumgewicht und Zellstruktur aus. Dieser ist anschmiegsam, langlebig, wirkt sich bei entsprechenden Zuschnitt des Kerns schulterfreundlich und druckentlastend aus.
  • 3. Schlafsysteme in Zusammenhang mit einem darauf abgestimmten Lattenrost erlauben die individuelle Anpassung stützender und entlastender Partien durch individuelle Einstellungen
Matratzen gibt es bereits ab 29 EUR. Worin unterscheiden Sie sich zu den teureren und lohnt es sich, mehr Geld auszugeben?

Wenn die bereits genannten Anforderungen nicht berücksichtigt werden, sorgt eine teurere Matratze nicht gleich für besseren Schlaf, sichert jedoch eine längere Haltbarkeit und höheren Komfort vom ersten Tag an.
Der Preis setzt sich unter anderem aus Art und Menge verwendeter Materialien, Verarbeitungstechnik und-qualität zusammen. Nicht nur der Matratzenkern, sondern auch die Polstermaterialien (Faser, Schurwolle) und die Verarbeitung des Bezuges (Material, Steppung, Ausrüstung, eingesteppte Vliese) machen einen deutlichen Preisunterschied aus. Die Qualitätsunterschiede bemerkt man erst nach 2 bis 3 Jahren, den Liegekomfort oftmals vom ersten Tag an.

Welche Fehler werden beim Matratzenkauf gemacht?

Eine Liegeprobe auf zu vielen Modellen - das verwirrt nur, da sie bei der fünften Matratze nicht mehr wissen, wie sie auf der ersten gelegen haben.
Notieren Sie sich, welche Modelle ihnen angenehm waren und warum. Wechseln sie beim Matratzenkauf nicht von einem Extrem auf das Andere, wenn ihre derzeitige Matratze zu hart oder zu weich ist. Das Liegegefühl während der kurzen Liegeprobe kann täuschen. Ich empfehle grundsätzlich die Liegeprobe mit einhergehender Fachberatung, um die richtige Stützung und Entlastung der Körperpartien sicherzustellen. Das reine Empfinden kann täuschen, da während der Liegeprobe die Muskulatur angespannt ist - in der Nacht entspannt diese sich und passt sich gnadenlos der Schlafunterlage an. Die beste Zeit zur Liegeprobe ist vormittags.
Autor

Frank Chudoba
Chefredakteur
Mitglied im Deutschen Fachjournalisten-Verband
Branchenexperte im TV
Schlafberater
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