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Lüneburg - 16.05.2009

Schlaf, Kindlein, schlaf!

Schlaf, Kindlein, schlaf!Schlafen ist die normalste Sache der Welt, doch nur die Wenigsten machen sich darüber Gedanken, was im Schlaf passiert und wie diese Zeit unser Leben und unsere Gesundheit beeinflusst. Besonders die Entwicklung unserer Kinder hängt von einem ungestörten Schlaf ab. Hyperaktivität, Bettnässen und Wachstumsstörungen sind kein Zufall, sondern die Folgen mangelnder Schlafhygiene.
Schlafberater Frank Chudoba im Interview mit dem Lüneburger Stadtmagazin Schlendrian.
Schlendrian: Das kommende Schlafhaus-Event befasst sich mit dem Thema „Schlaf unserer Kinder“.
Haben Kinder etwa auch Schlafstörungen?
Frank Chudoba: Im kommenden Workshop geht es mir nicht nur darum, kinderspezifische Schlafstörungen aufzuzeigen, sondern wie wichtig der Schlaf gerade für die Kinder ist. Die meisten körperlichen und geistigen Entwicklungen hängen vom Schlaf ab – sogar schulische Leistungen.
Schlendrian: Sind schlecht schlafende Kinder dümmer?
Chudoba: Wenn man allein die schulischen Leistungen und die Noten betrachtet, könnte dieser Eindruck entstehen. Doch sind es oft mangelnde Konzentration und Aufmerksamkeit, die die Lernbereitschaft und das Aufnahmevermögen senken. Besonders hyperaktive Kinder leiden unter mangelnder Konzentration. In der Nacht wird neu Gelerntes im Gehirn gefestigt. Nicht nur Vokabeln, sondern auch komplexe Bewegungsabläufe gehören dazu.
Schlendrian: Hat Hyperaktivität etwas mit Schlafstörungen zu tun?
Chudoba: Sehr viel sogar. Für die Qualität des Schlafes ist nicht nur die Schlafdauer, sondern auch die Tiefe des Schlafes verantwortlich. Hyperaktivität wird sogar mit dem selben Medikament behandelt wie Schlafstörungen. Doch Eltern sollten ihre Kinder nicht mit Medikamenten ruhigstellen, sondern den Tagesablauf gezielt steuern: viel Bewegung, wenig Fernsehkonsum, ausreichende Schlafzeiten und Zuwendung.
Schlendrian: Sie hatten auch die körperliche Entwicklung erwähnt.
Chudoba: Sowohl das Längenwachstum als auch das Gewicht werden im Schlaf gesteuert. Kinder wachsen nämlich im Schlaf. Das liegt an der Ausschüttung von Hormonen, die nur zu bestimmten Nacht-Zeiten im Tiefschlaf erfolgt, da keine störenden äußeren Einflüsse auf den Schlafenden einwirken sollen. Zu wenig Schlaf kann Übergewicht bewirken.
Schlendrian: Welche Einflüsse spielen eine Rolle?
Chudoba: Straßenlärm, grelles Licht, eine ungeeignete Matratze, biologische Störfelder und Stress verhindern einen ungestörten Tiefschlaf.
Schlendrian: Unter welchem Stress können Kinder leiden?
Chudoba: Streit in der Familie, Leistungsdruck in der Schule und traumatische Erlebnisse stören beim Einschlafen. Mitunter werden diese in Alpträumen verarbeitet. Eltern sollten regelmäßig das Gespräch mit ihren Sprösslingen suchen und durch Verständnis ein gutes Vertrauensverhältnis schaffen.
Schlendrian: Wie finden Eltern heraus, dass ihre Kinder nicht gut schlafen?
Chudoba: Hyperaktivität, mangelnde Konzentration, langsame Motorik, Gereiztheit und Kopfschmerzen sind zu beachtende Warnsignale. Grundsätzlich sollten Eltern die Grundlagen für den Schlaf ihrer Kinder sichern: Auch wenn noch so tolle Filme abends laufen, sollte Fernsehen vor dem Schlafengehen vermieden werden und der Gang ins Bett rechtzeitig erfolgen. Eltern sollten konsequent auf die Einhaltung der Schlafzeiten achten. Einschlafrituale helfen Kindern, sich auf die Schlafzeit vorzubereiten und für die notwendige Entspannung zu sorgen. Trinken sollten die Kinder ausreichend verteilt am Tage, abends nicht viel.
Schlendrian: Wie lange sollten Kinder schlafen?
Chudoba: Jüngere Schulkinder benötigen etwa 10 bis 12 Stunden Schlaf. Der Schlafbedarf nimmt mit zunehmenden Alter ab, ist aber sehr individuell.
Schlendrian: Wie schützt man die Matratze bei Bettnässern?
Chudoba: Ein Nässeschutzauflage hilft der Matratze, aber nicht dem Kind. Neben Stress sind nachweislich sogar unter dem Bett verlaufende Wasseradern Schuld am Einnässen. Das Umstellen des Bettes kann daher schon helfen.
Schlendrian: Gibt es spezielle Matratzen für Kinder?
Chudoba: Die richtige Matratze ist schon im jüngsten Alter sehr wichtig. Schließlich wächst der Körper und bildet sich die Wirbelsäule aus. Eine zu harte oder durchgelegene Matratze schädigt den Rücken. Die Firma diamona hat sogar eine Matratze entwickelt, die das zunehmende Gewicht berücksichtigt.
Schlendrian: Ist das Schlafverhalten angeboren?
Chudoba: Eher anerzogen. Die Eltern haben es in der Hand, einen gesunden Schlafrhythmus zu schaffen und die Regeln der Schlafhygiene einzuhalten. Ob jemand nacht- oder lieber morgenaktiv ist, soll bereits in die Wiege gelegt worden sein.
Autor

Frank Chudoba
Chefredakteur
Mitglied im Deutschen Fachjournalisten-Verband
Branchenexperte im TV
Schlafberater
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